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DnD - Vorabend der Verdammnis - Teil 6

Der Ruhm der Dirty Rainbows war in Neverwinter endgültig angekommen.
Nach der erfolgreichen Rettung von vier prominenten Bürgern, die Vecna-Kultisten in ihre Gewalt gebracht hatten, zeigte sich Lord Dagult Nieglut erkenntlich: Er überließ den Abenteurern eine geräumige Villa im Norden der Stadt. Für den bescheidenen Preis von 10 Goldmünzen pro Tag – inklusive drei Bediensteten – hatten die Helden nun ein Zuhause, das ihrem wachsenden Ruf gerecht wurde.

Und wie es sich für frischgebackene Hausbesitzer gehört, begann alles mit… Wein.
Eine ausgiebige Verkostung an einem sonnigen Vormittag führte dazu, dass die fünf Abenteurer bereits zur Mittagszeit so betrunken waren, dass ein längeres Nickerchen unumgänglich wurde. Erst am Abend, wieder halbwegs auf den Beinen, beschlossen sie, die gehobenen Gasthäuser der Umgebung zu erkunden und sich umzuhören, was sich in der Stadt so tat.

Doch Neverwinter zeigte sich wenig kooperativ: Die Lokale der oberen Gesellschaftsschicht hatten bereits geschlossen. Also verlegte man sich kurzerhand ins Hafenviertel – dort, so die einhellige Meinung, würde es garantiert noch offene Türen und fließende Getränke geben.

Im ersten Gasthaus fiel Xyrola sofort ein Barde ins Auge, der zwar laut, aber leider auch erschreckend schlecht war. Kurzerhand forderte sie ihn zu einem Gesangsduell heraus, gewann dieses souverän und übernahm seinen Platz. Das Publikum war begeistert, Silbermünzen wechselten den Besitzer – und wurden von den übrigen Dirty Rainbows augenblicklich in Bierrunden reinvestiert.

Akasha wiederum erinnerte sich an alte Talente und versuchte sich nach langer Zeit wieder als Trickbetrügerin. Mit gezinkten Würfeln und einem charmanten Lächeln gewann sie ebenfalls einige Silbermünzen – ganz so, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Währenddessen lauschten die übrigen Gruppenmitglieder den Gesprächen der Gäste. Doch statt handfester Aufträge hörten sie nur Gerüchte: von einem Seeungeheuer, das im Süden des Kontinents sein Unwesen treiben sollte.
Aukhan war sofort Feuer und Flamme und wollte aufbrechen, während Eberhard mahnend daran erinnerte, dass die Angelegenheit mit Vecna sicher noch nicht abgeschlossen sei – und dass man gerade erst ein Haus erhalten habe. Vielleicht sollte man sich erst einmal einrichten, bevor man das nächste Weltuntergangsszenario anging.

Irgendwann – niemand konnte später genau sagen, wie – kam die Idee auf, sich ein Gruppenportrait anfertigen zu lassen. Am nächsten Tag machte sich die Gruppe auf die Suche nach einem Künstler. Da jeder der Gefährten seine eigene Vorstellung von Kunst hatte, wurden schließlich vier verschiedene Maler engagiert, um jeweils ein Bild der Gruppe zu schaffen.
Das Modellstehen dauerte entsprechend vier volle Tage.

Nebenbei wollte man noch bei Lord Nieglut vorsprechen, mögliche neue Aufgaben besprechen – und eine Einstandsparty für Nachbarn und neu gewonnene Freunde war ebenfalls geplant.
Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.

Auf dem Rückweg vom letzten Maler geschah es.

Ein bunter Blitz – und die Welt um die Abenteurer verschwand.

 

Als sie wieder zu sich kamen, fanden sie sich in einem großen, eleganten Raum wieder, erfüllt von weichen Sofas und gedämpftem Licht. Über ihnen beugte sich eine Frau in prächtigen, weißen Gewändern. Im Hintergrund waren zwei weitere Gestalten zu erkennen: eine Frau in dunkler Kleidung und ein Mann in Blau mit purpurnem Umhang.

„Ihr sollt die Antwort auf unseren Wunsch sein?“ Die Worte kamen von der dunkel gekleideten Frau. Akasha zögerte keine Sekunde.
„Natürlich – wir sind die Lösung eures Problems.“ Daraufhin stellte sich die Frau in Weiß vor: Alustriel Silberhand. Ihre Begleiter: Tasha und Mordenkainen.

Den Zauberkundigen der Gruppe stockte der Atem.
Alustriel – eine der Sieben Schwestern, Tochter Mystras selbst.
Tasha – die mächtigste Hexe ihrer Zeit, Expertin für Dämonen und Schrecken jenseits der Welten.
Und Mordenkainen – der Erzmagier, dessen Name Legende war.

Jeder von ihnen allein hätte schon Ehrfurcht geboten. Sie gemeinsam an einem Ort zu sehen, war… beunruhigend.

Doch die drei wirkten erschöpft. Das Wirken des Wunsch-Zaubers hatte sie ausgezehrt. Sie erklärten, sich zurückziehen zu wollen – und am nächsten Morgen, bei einem ausgiebigen Frühstück, alles zu erklären: warum die Dirty Rainbows hier waren, was man von ihnen erwartete, und weshalb sie sich nun im Heiligtum Alustriels in Sigil befanden.

Bevor sich Alustriel Silberhand zurückzog, gewährte sie den Dirty Rainbows noch ein seltenes Privileg: Sie durften sich frei im Heiligtum in Sigil umsehen.
Diese Gelegenheit ließen sich die Abenteurer natürlich nicht entgehen.

Sie betrachteten ehrfürchtig die magischen Artefakte, die in einer kunstvoll gesicherten Vitrine ausgestellt waren – Gegenstände, deren bloße Präsenz Macht ausstrahlte. In der weitläufigen Bibliothek vertieften sie sich in Schriften über ferne Ebenen, uralte Rituale und Bedrohungen, die besser vergessen geblieben wären. Und im Salon kosteten sie schließlich vom magischen Wein, dessen Geschmack ebenso außergewöhnlich war wie seine Wirkung.

Erst spät zogen sich die Dirty Rainbows zur Ruhe zurück – mit schweren Gedanken, aber auch dem Gefühl, am Rand von etwas sehr Großem zu stehen. 

Am nächsten Morgen versammelten sich alle zu einem ausgiebigen Frühstück. 
Dann sprach Alustriel offen. Sie berichtete, dass sie von Vecnas Plan erfahren habe: Der Lichgott beabsichtige nichts Geringeres, als das Multiversum selbst umzugestalten – nach seinen eigenen Vorstellungen. Um einer Macht dieses Ausmaßes entgegenzutreten, hatte sie Tasha und Mordenkainen zu sich gerufen. Gemeinsam hatten sie einen Wunsch-Zauber formuliert, der Vecna hätte aufhalten sollen. Doch etwas war schiefgelaufen. Statt Vecna zu binden oder zu bannen, hatte der Zauber… die Dirty Rainbows hierhergebracht.

Akasha ließ keinen Zweifel an ihrer Interpretation. Sie erklärte selbstbewusst, dass genau das der Beweis sei: Sie seien die Lösung des Problems. Und außerdem – so fügte sie nicht ganz ohne Spitze hinzu – könne man kaum von allmächtiger Magie sprechen, wenn ein einfacher Wunschzauber fehlschlage.

Diese Worte trafen Mordenkainen hart. Der Erzmagier reagierte ungewohnt ungehalten und stellte klar, dass sie sehr wohl zu den mächtigsten Zauberern des Multiversums gehörten. Wenn der Zauber fehlgeschlagen sei, dann nicht aus Unvermögen – sondern weil die Dirty Rainbows selbst der Auslöser gewesen sein mussten. Es müsse eine Verbindung zwischen ihnen und Vecna geben. Eine Resonanz, die den Wunsch umgeleitet habe.

Daraufhin erzählte Eberhard von den Visionen, die die Gruppe nach dem Ritual der Kultisten erlebt hatte. Bilder, Eindrücke, Andeutungen – doch trotz aller Versuche war es nicht gelungen, Vecnas Aufenthaltsort zu bestimmen.

Nun ergriff Mordenkainen erneut das Wort. Er erklärte, dass er für den Fall eines gescheiterten Wunschzaubers einen Notfallplan entwickelt habe. Mit der Glocke des Exils könne Vecna nach Oerth verbannt werden – weit genug entfernt, um seinen Plan zu vereiteln. Doch dafür müsse Vecna zunächst geschwächt werden. Der Schlüssel dazu sei der Stab der sieben Teile. Ein uraltes Artefakt, zersplittert in sieben Fragmente, die über die Ebenen verstreut seien. Niemand wisse, wo sich alle Teile befänden – doch besitze man erst eines, führe es unweigerlich zum nächsten.

Mordenkainen wusste zumindest eines:
Ein Teil des Stabes befinde sich in Netzrand, einer Zuflucht von Lolth-Agenten, tief im Unterreich verborgen. Das Portal im Heiligtum könne den Abenteurern als Weg dienen – und ihnen erlauben, wieder nach Sigil zurückzukehren.

Alustriel wandte sich schließlich direkt an die Dirty Rainbows. Ob sie bereit seien, diese Aufgabe zu übernehmen.

Die Antwort kam ohne Zögern.Die Helden erklärten sich bereit – baten jedoch um Unterstützung in Form magischer Gegenstände. Alustriel willigte ein und gestattete jedem der fünf Gefährten, einen Gegenstand aus ihrer Vitrine zu wählen.

So ausgerüstet, mit neuem Wissen und einer Aufgabe von kosmischer Tragweite, machten sich die Dirty Rainbows auf den Weg.

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