Der Weg in die letzte Gruftkammer der Familie Dolindar war versperrt.
Ein Rätsel blockierte den Zugang – und jede falsche Annäherung erfüllte den Vorraum mit einer Welle aus lähmendem Kummer, die selbst gestandenen Abenteurern die Luft zum Atmen nahm. Die Dirty Rainbows entschieden klugerweise, nicht blindlings weiter vorzudringen, sondern zunächst nach Hinweisen zu suchen.
In der Schatzkammer fanden sie nichts von Wert für das Rätsel. Auch die erneute Befragung des Geistes Nuumi brachte keine Lösung. Also begannen die Helden, ihr Wissen zusammenzutragen: Die Dolindars waren magisch begabt gewesen, hatten sich intensiv mit Portalen beschäftigt – und waren offenbar durch einen Fluch an diesen Ort gebunden.
Vielleicht, so die nächste Überlegung, liege der Schlüssel in den Grabkammern der Geschwister.
Als die Gefährten eine der Kammern öffneten, wurden sie sofort angegriffen. Eines der Geschwister hatte sich über die Jahre in einen verlorenen Kummergeschworenen verwandelt – ein Wesen aus Schmerz und Verzweiflung. Ein Feuerball, gefolgt von Hieben, Stichen und Schüssen, setzte der Monstrosität schließlich ein Ende.
Doch kaum war das erste Ungeheuer gefallen, stürmten Akasha und Xyrola weiter in die Kammer – und bemerkten zu spät, dass sich von hinten das zweite Geschwister anschlich. Auch dieses war zu einem Kummergeschworenen geworden und packte Akasha mit unmenschlicher Kraft. Nur durch das Eingreifen der übrigen Dirty Rainbows konnte sie aus der tödlichen Umklammerung befreit werden.
Am Ende lagen beide Geschwister tot am Boden. Erst da wurde den Helden schmerzlich bewusst, dass sie eigentlich gehofft hatten, mit den Geschwistern sprechen zu können. Diese Möglichkeit war nun endgültig verloren. Auch eine Durchsuchung der Grabkammer brachte keine neuen Hinweise.
Dann hatte Xyrola eine Eingebung. Immer wieder war davon die Rede gewesen, dass die Familie Dolindar aufgrund eines Fluchs nicht nach Hause habe zurückkehren können und deshalb in Immernacht gefangen gewesen sei. Die Worte auf der Tür zur Grabkammer der Matriarchin schienen zunächst bedeutungslos – doch nahm man jeweils einen Buchstaben aus jedem Wort, ergab sich ein einziges, schicksalhaftes Wort:
Fluch.
Mit dieser Erkenntnis öffnete sich die Tür.
Die Grabkammer der Matriarchin Kevetta Dolindar offenbarte eine tödliche Konstruktion: Der Raum war mit Dolchspitzen gespickt, die ein Vorankommen zum Sarg nahezu unmöglich machten – zumindest ohne schweren Schaden zu riskieren. Kevetta selbst hatte mit diesem Problem keine Mühe. Als einsame Kummergeschworene nutzte sie ihre harpunenartigen Arme, um Netodoboven und Eberhard zu sich zu reißen und ihnen schwere Verletzungen zuzufügen. Aukhan, Akasha und Xyrola reagierten sofort und überschütteten das Wesen mit Pfeilen, Bolzen und allem, was ihnen an Fernkampfwaffen zur Verfügung stand. Nachdem sich Netodoboven und Eberhard aus der Umklammerung befreit hatten, griffen auch sie wieder in den Kampf ein. Schließlich brach die Monstrosität zusammen und blieb zuckend am Boden liegen.
Nun sah Netodoboven seine Chance gekommen. Mit einer Magierhand betätigte er einen Hebel, den er für einen Mechanismus zum Öffnen des Sarges hielt. Stattdessen verschwanden die Dolchspitzen im Boden – der Weg war frei.
Aukhan versuchte, den schweren Sargdeckel zur Seite zu schieben, scheiterte jedoch. Erst Xyrola gelang es, die massive Steinplatte zu verrücken.
Im Inneren des Sarges befand sich kein Leichnam – sondern ein violett leuchtendes Portal. Der Weg zurück nach Neverwinter. Mit Eldon Schlüsselwart im Schlepptau machten sich die Dirty Rainbows auf, durch das Portal zu treten. Bevor sie folgten, holte Eberhard noch die verbliebenen Schätze aus der Grabkammer.
Die Gruppe fand sich schließlich auf einem anderen Teil des Friedhofs von Neverwinter wieder. Von dort aus begaben sie sich direkt zu Lord Dagult Nieglut, um Bericht zu erstatten. Eldon Schlüsselwart bestätigte die Ereignisse und das Schicksal der Dolindars.
Nieglut hielt Wort. Wie vereinbart überließ er den Dirty Rainbows eine Villa im Norden Neverwinters. Zusätzlich ließen die dankbaren Opfer der Vecna-Kultisten der Gruppe eine Belohnung von mehreren tausend Goldmünzen zukommen. Nach Wochen voller Dunkelheit, Kummer und Tod war es nun an der Zeit, die Wunden zu lecken, das neue Heim zu beziehen – und sich auf das vorzubereiten, was als Nächstes kommen würde.