Nach dem erbitterten Kampf gegen die Magier und Kultisten gönnten sich die Dirty Rainbows eine kurze Rast. Doch die Gruft war noch nicht vollständig erkundet – und mehrere Entführte befanden sich weiterhin in den Händen des Vecna-Kultes. Ohne zu zögern machten sich die fünf Abenteurer erneut auf den Weg in die dunklen Gänge unter Niewinter.
Ihr Weg führte sie zunächst durch eine Tür in der westlichen Wand. Dahinter fanden sie ein kleines, spartanisches Lager, offenbar das Quartier mehrerer Magier. Doch es blieb nicht bei dieser Entdeckung: In der südlichen Wand offenbarte sich eine verborgene Geheimtür, die direkt in das persönliche Quartier des Kultanführers führte.
Der Kampf dort war kurz, aber heftig. Der Anführer des Kultes fiel ebenso wie der ihn begleitende Nothic. Bei der Durchsuchung seiner Habseligkeiten stießen die Helden auf beunruhigende Notizen: Beschreibungen eines Rituals, mit dem einem Opfer seine tiefsten Geheimnisse entrissen und Vecna dargebracht werden konnten. Frühere Versuche waren gescheitert – unter anderem mit einer abtrünnigen Kultistin als Opfer. Für den nächsten Durchlauf hatte der Kultistenführer vier Bürger Niewinters ausgewählt, von denen er glaubte, dass sie bedeutsame Geheimnisse hüteten.
Zurück im Korridor, der sich von Norden nach Süden erstreckte, entschieden sich die Helden, zunächst den nördlichen Abschnitt zu erkunden. Mehrere leere Grabkammern säumten den Weg, bis der Gang nach Osten abbog. Dort entdeckten sie eine Tür, die mit einem großen roten X markiert war. In der Annahme, dass sich dahinter einer der Entführten befand, öffneten sie den Raum – und erkannten ihren Irrtum zu spät.
Aus Staub und Asche erhoben sich zwei Todesalben, die die Gruppe mit einem hasserfüllten Ruf angriffen: „Sterbt, Vecnaner!“ Nur dank schneller Reaktionen und kluger Flucht entgingen die Helden einem weiteren tödlichen Kampf. Das rote X markierte keinen Gefangenen – sondern eine Warnung.
Hinter einer weiteren Tür im Norden fanden sie einen leeren Raum, dessen Wände mit hunderten Gedenktafeln bedeckt waren. Die meisten Inschriften waren jedoch bis zur Unkenntlichkeit zerkratzt – Namen, Erinnerungen und Geschichte ausgelöscht. Ein schmaler Gang führte schließlich nach Westen zur Zelle der entführten Schauspielerin Indrina Lamsettel.
Nach ihrer Befreiung machte Indrina ihrem Zorn lautstark Luft. Sie beschuldigte die Kultisten, grausam und brutal zu sein – und nannte schließlich den Namen Dagult Nieglut als eigentlichen Drahtzieher ihrer Entführung. Sie erklärte, dass sie herausgefunden habe, dass Nieglut zu Unrecht behauptet, von Nasher Alagondar, dem legendären Helden Niewinters, abzustammen. Diese Lüge sichere ihm seinen Anspruch auf den Titel des Lords von Niewinter – und Indrina sollte zum Schweigen gebracht werden, weil sie die Wahrheit kannte.
Mit Mühe gelang es den Helden, sie davon zu überzeugen, dass sie im Auftrag Dagults handelten, um ihr Leben zu retten. Schließlich wiesen sie ihr einen sicheren Weg aus der Gruft.
In der Bibliothek der Kultisten stießen die Rainbows auf weitere beunruhigende Funde: ein Buch mit unbekannten Zaubern, mehrere Folianten und Schriftrollen – darunter ein Werk, das sich ausführlich mit dem Auge von Vecna und der Hand von Vecna beschäftigte.
Schließlich kehrten sie in den Korridor zurück und erreichten eine weitere Tür. Dahinter war ein merkwürdiger, monotoner Singsang zu hören. Hier – dessen waren sich alle sicher – wurde das Ritual durchgeführt. Und Eldon Schlüsselwart, einer der Entführten, war noch immer nicht gefunden.
Kampfbereit stürmten die Helden den Raum. Sechs Kultisten standen im Kreis und setzten unbeirrt ihr Ritual fort. Über ihnen, in einem Käfig fast fünf Meter über dem Boden, hing ein halbelfisches Opfer.
Gwendolyn handelte sofort und ließ eine donnernde Welle aus göttlicher Macht durch den Raum fegen. Netodoboven folgte mit schaurigen Strahlen aus reiner Magie. Was danach noch stand, wurde von Aukhan, Akasha und Xyrola rasch niedergestreckt.
Doch der Sieg war trügerisch.
Silbrig-violette Energie begann sich im Raum zu sammeln. Die Luft selbst schien zu zerreißen, als ein wirbelnder Riss entstand. Noch ehe die Helden reagieren konnten, wurde der Raum von der fremdartigen Macht verschlungen – und mit ihm die Dirty Rainbows.
Dann… wurde alles schwarz